Schulpartnerschaft

Praktikum von Schüler*innen der Erzieher*innenausbildung in Praktikumseinrichtungen in Finnland im Rahmen unserer Schulpartnerschaft mit der Fachschule „Seurakuntaopisto“ in Järvenpää/Südfinnland

Text: Sabine Thiem, Stand: 27.09.2018

In Zusammenarbeit mit unserer finnischen Partnerschule bieten wir seit mehreren Jahren einen sechs- bis siebenwöchigen Praktikums- und Studienaufenthalt für jeweils sechs Schüler*innen des 2. Ausbildungsjahres der Erzieher*innenausbildung (Fachschule für Sozialpädagogik) an. Die Partnereinrichtung „Seurakuntaopisto“ ist eine berufliche Ausbildungseinrichtung in kirchlicher Trägerschaft in Järvenpää/Südfinnland (ca. 30 km von Helsinki entfernt). Seit 2014 gehört „Seurakuntaopisto“ zur Dachinstitution „Kirkkopalvelut-ry“ mit Sitz in Helsinki.

Das Auslandspraktikum findet in etwa zeitgleich zum Blockpraktikum der Klassenstufe 2 BKSP 2 statt, so dass die Teilnehmer*innen keine Unterrichtszeit versäumen.

Die Praktikumsplätze in finnischen Kindertages- oder Jugendeinrichtungen werden von den finnischen Lehrkräften nach Rücksprache mit unserer Schule ausgewählt. Die Teilnehmer*innen entscheiden sich je nach Interessenslage für eine der angebotenen Praktikumsstellen. Der Auslandsaufenthalt beginnt mit einer Einführungsphase überwiegend auf dem Gelände der Partnerschule. In dieser Phase erhalten die Auszubildenden eine Einführung in die Internetnutzung, hospitieren im Unterricht der Erzieher*innenausbildung der Partnerschule, knüpfen erste Kontakte mit finnischen Auszubildenden und nehmen Kontakt zur Praxiseinrichtung auf. Danach folgt die Praktikumsphase in der Einrichtung.

Unsere Schüler*innen sind in einem Wohnheim auf dem Campus der finnischen Partnerschule untergebracht. In den Gemeinschaftsküchen können sich die Teilnehmer*innen selbst verpflegen oder in der Mensa auf dem Schulgelände essen gehen.

Die Hilde-Domin-Schule organisiert das Auslandspraktikum im Rahmen des EU Bildungsprogramms Erasmus+ im Bereich Berufsbildung. Die übergeordnete Verwaltung des Projekts liegt bei der „Nationalen Agentur Bildung für Europa“ beim Bundesinstitut für Berufsbildung („NA bei BIBB“). Aus diesem EU-Programm erhalten die Teilnehmer*innen ein Stipendium in Höhe von ca. 1600 € als Zuschuss für Flug, Fahrtkosten vor Ort, Unterbringung, Auslandsversicherung, Verpflegung und Taschengeld für Kultur- und Freizeitprogramm. Aus dem EU-Programm werden außerdem die Kosten für einen Finnisch-Sprachkurs und ein Seminar für die interkulturelle Vorbereitung erstattet.

Ziele des Auslandspraktikums bzw. zu erwerbende Kompetenzen:

  • Die Teilnehmer*innen (TN) setzen sich mit der pädagogischen Arbeit in ihren finnischen Praxiseinrichtungen auseinander. Sie reflektieren ihre neuen Erfahrungen vor dem Hintergrund ihrer bisherigen Kenntnisse. Sie erhalten einen Einblick in das Bildungssystem sowie die Kinder- und Jugendhilfe in Finnland und vergleichen es mit den ihnen bekannten Systemen in Deutschland. Schwerpunkte sind das System der frühkindlichen Bildung und Betreuung (Kindertageseinrichtungen) sowie die sozialpädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in „offenen“ Jugendhäusern/Jugendzentren. Die TN erhalten dadurch neue Anregungen für die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und entwickeln ihre fachlichen Kompetenzen weiter.
  • Die TN lernen Ausbildungs- und Arbeitsstrukturen für pädagogische Fachkräfte in einem anderen europäischen Land kennen.
  • Die TN entwickeln (mehr) interkulturelle Kompetenzen, indem sie sich mit der Kultur und den Lebensbedingungen in einem anderen europäischen Land auseinandersetzen, ihre Englischkenntnisse verbessern und Grundkenntnisse der finnischen Sprache erwerben. Im Umgang mit den finnischen Kindern und Jugendlichen entwickeln sie ihre Beobachtungsfähigkeit, verbessern ihre Kommunikationsfähigkeiten und Handlungskompetenzen weiter.
  • Die TN fühlen sich vermehrt in die Situation von Kindern, Jugendlichen und Eltern mit Migrationshintergrund und fehlenden Sprachkenntnissen ein, da sie sich selbst in dieser Rolle befinden.
  • Der Bildungshorizont und das Bewusstsein für ein gemeinsames Europa werden durch den Aufenthalt im europäischen Ausland gefördert.
  • Die TN bewältigen den Lebensalltag in einem anderen Land und das Zusammenleben in der Praktikant*innengruppe. Die Gruppe wohnt im Wohnheim der Partnerschule zusammen auf einem Stockwerk, auch mit finnischen oder anderen ausländischen Studierenden. Die TN entwickeln dadurch mehr Teamfähigkeit, Selbständigkeit und Selbstbewusstsein.
  • Die TN verbessern ihre fachlichen, methodischen und personalen Kompetenzen durch ihre neue Rolle als Multiplikator*innen (durch ihre aktive Rolle in der Öffentlichkeitsarbeit über das Projekt).
  • Die TN verbessern ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch ihre zusätzlichen Kompetenzen und die Anerkennung ihres Auslandspraktikums im Abschlusszeugnis und im Europass. Der Europass stellt ein internationales Praktikumszeugnis der Europäischen Union dar, in dem die erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen bewertet werden. Dieses Zeugnis wird in Zusammenarbeit der betreuenden finnischen und deutschen Lehrkräfte sowie der finnischen Praktikumseinrichtung erstellt.

Im Rahmen unserer Schulpartnerschaft bieten wir auch finnischen Praktikant*innen Praktikumsplätze in verschiedenen sozialpädagogischen Einrichtungen der Herrenberger Umgebung an und zwar im Vorschulbereich (Kindergarten- und Krippenbereich) und im Jugend- und Freizeitbereich (Jugendhaus, Jugendfarm). Die Praktikumszeiten der finnischen Schule sind für das Frühjahr festgelegt. Der Aufenthalt der finnischen Praktikant*innen wird von Lehrkräften der Hilde-Domin-Schule vorbereitet und begleitet. In dieser Zeit haben einzelne Schüler*innen der Hilde-Domin-Schule, schwerpunktmäßig im 2 BKSP 1, Kontakte mit diesen Praktikant*innen, speziell auch diejenigen, die sich für ein Praktikum in Finnland interessieren.

Ansprechpartnerin des Projekts

Sabine Thiem, sabine.thiem(at)hilde-domin-schule.de (Projektleitung Finnland-Praktikum)