Regierungspräsidentin Susanne Bay besuchte Hilde-Domin-Schule

Die neue Regierungspräsidentin Susanne Bay besichtigte im Rahmen ihres Antrittsbesuches im Landkreis Böblingen zusammen mit Landrat Roland Bernhard das Skills Lab der Hilde-Domin-Schule. Das Skills Lab wird im Rahmen der generalistischen Pflegeausbildung als dritter Lernort genutzt. Bevor praktische Handlungen in der Praxis an Pflegeempfänger*innen durchgeführt werden, werden sie im Skills Lab (dritter Lernort) unter der kritischen Begleitung durch die Lehrkräfte eingeübt. Hochmoderne Technik und Räumlichkeiten ermöglichen eine Ausbildung auf höchstem Niveau. Mit diesem Angebot sticht die Hilde-Domin-Schule sowohl im Landkreis als auch in Baden-Württemberg hervor.

Lehrerin Birgit Baur erläuterte die Funktion des Skills Lab als dritter Lernort, der einer starken Verbesserung der Theorie-Praxis-Verzahnung insbesondere in der generalistischen Pflegeausbildung dient. Die neue generalistische Pflegeausbildung (mittlerweile an der Hilde-Domin-Schule im 2. Jahr) ersetzt die bisherigen eigenständigen Ausbildungen als Altenpfleger*in, Gesundheits- und Krankenpfleger*in, Kindergesundheits- und Kinderkrankenpfleger*in durch eine dreijährige einheitliche Ausbildung zur*zum Pflegefachfrau*mann. Der neue Abschluss ermöglicht leichte Arbeitsplatzwechsel zwischen den einzelnen Pflegesettings und bietet eine europaweite Anerkennung der Ausbildung. Die Schüler*innen sind während ihrer Ausbildung bereits in unterschiedlichen Versorgungsbereichen (stationäre Langzeitpflege, stationäre Akutpflege, ambulante Langzeit- und Akutpflege, Psychiatrie, Pädiatrie etc.) eingesetzt. Baur betont die Bedeutung der möglichst authentischen Praxissimulation, da beispielsweise der Pädiatrie-Einsatz (Kinderpflege) mit 80-120 Stunden sehr knapp ausfiele. In der generalistischen Ausbildung erfährt die Theorie-Praxis-Verzahnung im Rahmen eines dritten Lernorts (dem Skills Lab) eine Aufwertung. Bevor praktische Handlungen in der Praxis an Pflegeempfänger*innen durchgeführt werden, werden sie im Skills Lab unter der kritischen Begleitung durch die Lehrkräfte eingeübt. Im Skills Lab arbeiten die Schüler*innen in Dienstkleidung. Hierdurch können sie leichter aus ihrer Schüler*innenrolle in ihre Rolle als angehende Pflegefachkräfte schlüpfen. Als Pflegeempfänger stehen (Hightech-) Pflegepuppen unterschiedlicher Altersstufen (Säuglinge, ein 3-jähriges Kind, Erwachsene und Hochbetagte) zur Verfügung. Modern eingerichtete Arbeits- und Besprechungsplätze sowie Modelle, z.B. für die Wundversorgung eines Dekubitalgeschwüres, helfen bei der Simulation realer, komplexer Handlungssituationen. Mittels Kameras können die Pflegehandlungen gefilmt werden und später gemeinsam analysiert werden. In einem Kontrollraum mit zwei Plätzen für die betreuenden Lehrkräfte können die Pflegesituationen am PC analysiert und die Pflegepuppen gesteuert werden. In den Videoaufnahmen können Anker gesetzt werden, um (kritische) Situationen gemeinsam mit den Schüler*innen anhand des Videos zu reflektieren.

Lehrerin Eveline Gutknecht-Fritz bot einen Überblick über die bauliche Planung des Skills Lab. Im Landkreis Böblingen aber auch im Land Baden-Württemberg sei das Skills Lab mit dieser modernen, technisch hochwertigen Ausstattung ein einmaliges Angebot.

Das Lehrkräfteteam hatte zusammen mit Schüler*innen aus dem 1. Ausbildungsjahr drei Stationen vorbereitet, an denen ein breiter Einblick in die Lernmöglichkeiten des Skills Lab geboten wurde: An Station 1 wurde die Hightech-Puppe Juno versorgt, deren Vitalzeichen und Reaktionen mittels Tablet von der Lehrkraft gesteuert werden können. An Station 2 wurde an einer Säuglingspuppe die Versorgung eines Säuglings demonstriert. Ein geriatrischer Langzeitpflegebereich diente als Station 3, hier wurde eine Oberkörperwaschung im Bett gezeigt. An allen Stationen ist es möglich die Schüler*innen die Pflegesituationen alleine durchführen zu lassen. Die Lehrkräfte haben die Möglichkeit mittels Kameras aus einem Kontrollraum die Durchführung der Pflege zu beobachten. Lehrer Martin Harke zeigte im Kontrollraum wie man in einer Filmsequenz wichtige Passagen mittels Anker markiert. Die Filmausschnitte werden dann in der gemeinsamen Reflexion der Pflegesituation genutzt.

Nachdem die Funktionsweise des Skills Lab vorgestellt war, schloss sich noch lebhafter Austausch über Personalgewinnung für die Pflegeberufe an.

Landrat Roland Bernhard betonte das Anliegen des Landkreises Böblingen die sozialen Berufe zu stärken und hob die bedeutsame Rolle der Hilde-Domin-Schule für die Ausbildung neuer Pflegefachkräfte und Erzieher*innen hervor. Die Qualität der Ausbildung sei dem Landkreis wichtig, da habe man gerne rund 350.000 Euro aus dem Kreishaushalt investiert, um das Skills Lab einzurichten. Gleichzeitig hatte er auch noch eine gute Nachricht im Gepäck. Der Fachausschuss des Landkreises habe sich entschieden die Stelle der Landkreiskoordinatorin für die Koordination der praktischen Pflegeausbildung dauerhaft zu finanzieren. Die Landkreiskoordinatorin Frau Zucker plant beauftragt von den Trägern der praktischen Ausbildung die praktischen Einsätze in unterschiedlichen Versorgungsbereichen (z.B. stationäre Langzeitpflege, stationäre Akutpflege, ambulante Akut- und Langzeitpflege, Psychiatrie und pädiatrische Versorgung) über die gesamte Ausbildungsdauer der generalistischen Ausbildung hinweg.

Gemeinsam mit Regierungspräsidentin Bay war man sich einig, dass es wichtig sei, die Rahmenbedingungen in den Pflegeberufen zu verbessern, um genügend Nachwuchs zu gewinnen und die Verweildauer im Beruf zu erhöhen. Landrat Bernhard berichtete von den Landkreisplänen, dass Krankenhaus Herrenberg zum Gesundheitscampus auszubauen, auf dem nicht nur die Krankheit im Mittelpunkt stehe, sondern auch präventive und Reha-Angebote. Schulleiterin Marion Schönhaar verspricht sich von dem Bau des Gesundheitscampus auch bezahlbare Wohnheimplätze für die Pflegeschüler*innen der Hilde-Domin-Schule. Ein solches Angebot sei für manche Interessent*innen ausschlaggebend, ob sie eine Ausbildung an der Hilde-Domin-Schule antreten könnten.

Hervorgehoben wurde sowohl von Regierungspräsidentin Bay als auch von Landrat Bernhard der Wunsch aus der Ukraine geflüchteten Menschen den Weg in die pflegerischen und sozialpädagogischen Ausbildungsberufe zu ermöglichen. Von Seiten der Schule wurde die zentrale Rolle der Sprachförderung hervorgehoben, die entscheidend für den Ausbildungserfolg in diesen beiden komplexen Berufen sei. Hier bat man die Politik geeignete Rahmenbedingungen hierfür zu schaffen.

Regierungspräsidentin Susanne Bay zeigte sich hoch beeindruckt von der Funktionsweise des Skills Lab im Rahmen der generalistischen Pflegeausbildung. Sie dankte den Auszubildenden für die praktische Vorführung, wünschte ihnen viel Freude am Beruf und dass sie lang dabeibleiben.

Lesen Sie hier einen Artikel zur Eröffnung des Skills Lab.

Lehrerin Birgit Baur (2. v.re.) erläutert Landrat Roland Bernhard und Regierungspräsidentin Bay das Konzept des 3. Lernortes

Lehrerin Eveline Gutknecht-Fritz gibt einen Überblick über die Räumlichkeiten

Lärmschutzwand trennt den „Langzeitpflegebereich“ vom „Krankenhausbereich“ und ermöglicht simultanes Üben

Station 1: Laura Ferderer und Vjosa Haxhiu messen den Puls bei der Hightech-Puppe Juno, links Regierungspräsidentin Susanne Bay und Lehrerin Birgit Baur

Lehrerin Birgit Baur zeigt Regierungspräsidentin Susanne Bay die Steuerung der Hightech-Puppe Juno am Tablet

Säuglingsbereich

Regierungspräsidentin Susanne Bay betrachtet die Neugeborenen-Puppe

Station 2: Nadine Munz versorgt einen Säugling

Langzeitpflegebereich mit geriatrischer Puppe

Station 3: Mergim Berisha und Vilinta Vasatyte führen eine Oberkörper-Pflege an einem geriatrischen Bewohner durch

Im schallgeschützten Regieraum kann Lehrer Martin Harke die Pflegesituation mittels Technik beobachten

Landrat Roland Bernhard, Lehrerin Birgit Baur, stellv. Schulleiterin Silke Schmid, Regierungspräsidentin Susanne Bay und Schulleiterin Marion Schönhaar diskutieren über eine Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Pflege